Erinnern heißt Selbstkritik

Die Selbstenttarnung des NSU vor fast 15 Jahren war für viele Antifaschist*innen eine Zäsur – sie musste es sein. Denn auch wir hatten den rassistischen Erzählungen von Polizei und Medien zu der Mordserie mehr Glauben geschenkt als den Worten der Angehörigen oder Teilen unserer eigenen Analysen, in denen wir vor der Möglichkeit solcher Arbeitsteilungen zwischen neonazistischer Selbstermächtigung und staatlicher Gewährung gewarnt hatten. Das Denken und Handeln als Antifaschist*innen musste 2011 auf den Prüfstand gestellt und geändert werden.

Die Erfahrung der letzten 15 Jahre zeigt aber auch, dass diese Selbstkritik ein stetiger Prozess bleiben muss. Die Praxis verändert sich immer weiter, sei es im Erkämpfen von Erinnerung gemeinsam mit Betroffenen, im Verhältnis zu staatlichen Handeln und Institutionen oder dem Umgang mit den eigenen verinnerlichten Diskriminierungsformen. Gleichzeitig sind wir auch mit einer gesellschaftlichen Situation eines Rechtsrucks konfrontiert, in der unsere Praxis unter Druck gerät und zugleich immer wichtiger wird.

Wir blicken mit Caro Keller von NSU-Watch reflektierend zurück auf antifaschistische Praxen bezüglich des NSU und rechten Terrors der letzten 15 Jahre und wollen auch gemeinsam in die Zukunft blicken.

Offen ab 20:00, Vortrag um 20:30
Mo. 22.6.26 Kafe Marat (Thalkirchnerstraße 102)

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe Antifa heißt Erinnern die sich mit rechtem Terror und den Bedingungen auseinandersetzt, die ihn immer wieder möglich machen.