„Antifa heißt Erinnern“ Broschüre

Anlässlich des 10. Jahrestages des rechten Anschlags am OEZ vom 22. Juli 2016 beschäftigte sich die Veranstaltungsreihe „Antifa heißt Erinnern“ mit Gedenk- und Erinnerungspolitik, rechtem Terror und seinen Ermöglichungsbedingungen. Im Rahmen der Reihe gab es u.a drei Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen in München, eine Vortragstour in verschiedenen Städten und eine Broschüre. Die Broschüre ist nun auch online verfügbar.

In dieser Broschüre haben wir einige Beiträge zu rechtem Terror in München gesammelt. Teilweise basieren sie auf älteren Texten, etwa Diskussionsbeiträgen, Artikeln oder Aufrufen. Diese könnt ihr auf unserer Homepage antifa-nt.de finden, genau wie einige weitere Texte, die sich mit rechtem Terror beschäftigen, damit, wie er gesellschaftlich verhandelt wird und wodurch er immer wieder möglich gemacht wird. Wir haben die älteren Beiträge so entstaubt, gekürzt oder erweitert, dass sie auch 2026 funktionieren, etwa da wo sich ein Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen lohnt. Den inhaltlichen Kern und spezifische Überlegungen haben wir aber beibehalten. Auch wenn in diesem Reader Anschläge und Morde in München zum Anlass für die Auseinandersetzung mit den Kontinuitäten rechten Terrors genommen werden, dürften die Fragestellungen auch darüber hinaus interessant sein.

Ihr könnt das Heft als PDF laden oder als Volltext lesen.


Einleitung: Antifa heißt Erinnern

Armela Segashi, Can Leyla, Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayıcık, Roberto Rafael, Sabine S., Selçuk Kılıç und Sevda Dağ. Am 22.07.2026 jährt sich das rassistische Attentat vom Münchner Olympiaeinkaufszentrum (OEZ), bei dem diese neun Menschen ermordet wurden, zum 10. Mal.

Als Antifas aus München, die immer wieder zum Thema rechter Terror gearbeitet haben, ist dies für uns ein Moment um zurück zu blicken und einige Überlegungen und Erkenntnisse zusammenzutragen. Denn die Auseinandersetzung mit rechtem Terror muss sich auch auf die Bedingungen richten, die ihn immer wieder möglich machen.


22. Juli 2026: OEZ

Am 22. Juli 2026 jährt sich der rechte und rassistische Anschlag am Olympiaeinkaufszentrum (OEZ) in München zum zehnten Mal. Zum zehnten Mal gedenken Angehörige, Hinterbliebene, Freund*innen und Unterstützer*innen den Ermordeten Armela Segashi, Can Leyla, Dijamant Zabërgja, Guiliano Kollmann, Hüseyin Dayıcık, Roberto Rafael, Sabine S., Selçuk Kılıç und Sevda Dağ.

Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat, stehen wir immer noch vor der Frage, weshalb so Viele so wenig über den Anschlag und seine Hintergründe wissen, der doch zu den blutigsten Kapiteln des rechten Terrors in der Geschichte der Bundesrepublik zählt.


7. Januar 1984: Schillerstraße

Am 7. Januar 1984 betreten zwei junge Männer die Diskothek „Liverpool“ in der Schillerstraße 11a, ganz in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Mit zwei Benzinkanistern setzen sie den Eingangsbereich in Brand. Mehrere Menschen in der Diskothek werden bei dem Anschlag verletzt, darunter die 20-jährige Barangestellte Corinna Tartarotti. Nach mehreren Monaten im Krankenhaus erliegt sie am 27. April 1984 ihren schweren Verletzungen. Während die Polizei zunächst im „Rotlichtmilieu“ ansetzt, flankiert die Lokalpresse die Ermittlungen mit reißerischen Berichten über „Münchens sündige Meilen“.


26. September 1980: Theresienwiese

Am Freitagabend des mittleren Wiesnwochenendes, kurz vor Schankschluss in den Bierzelten, explodiert um 22:19 Uhr eine Bombe im Bereich des Haupteingangs des belebten Münchner Volksfests. 13 Menschen sterben, mindestens 221 Menschen werden mitunter schwer verletzt.
Die Geschichte des Anschlags wie auch seine Aufarbeitung ist gezeichnet durch systematische Versuche der Entpolitisierung und des Kleinredens rechter Gefahr, aber auch durch langanhaltende Kämpfe von Antifaschist*innen, Betroffenen und kritischen Medienschaffenden, mit dem Ziel, Verwicklungen aufzudecken und zu erinnern.


29. August 2001 Bad-Schachener-Straße / 15. Juni 2005 Trappentreustraße

Am 29. August 2001 wird der 38-jährige Habil Kılıç in Ramersdorf im Südosten Münchens ermordet. Er wird in seinem Obst- und Gemüseladen erschossen. Vier Jahre später, am 15. Juni 2005, fällt der 41-jährige Theodoros Boulgarides im Laden seines Schlüsseldienstes in der Trappentreustraße einem Anschlag zum Opfer. Erst mit der Selbstenttarnung des NSU im Jahre 2011 wird der Hintergrund der Taten bekannt. Zu diesem Zeitpunkt hat der NSU zehn Menschen ermordet und mehrere Dutzend durch Bombenanschläge verletzt.


13. Februar 1970: Reichenbachstraße

Am 13. Februar 1970 werden in München sieben jüdische Menschen durch einen Brandanschlag ermordet. Der Tag steht für einen der schwersten antisemitischen Anschläge nach 1945. Trotzdem gerät die Tat über viele Jahre nahezu in Vergessenheit. Nachdem lange Zeit nicht ermittelt werden kann, von wem der mörderische Anschlag ausging, scheint die Tat nun kurz vor der Aufklärung zu stehen: Alles deutet darauf hin, dass ein Neonazi den Brand gelegt hat.